Urbane Spezies

Mannheimer Morgen
30.09.2013

Wunder der Prärie III: Performer irritieren im öffentlichen Raum

Urban Species nennt sich eine im London der 1980er Jahre gegründete Hip-Hop-Elektronik-Band. Sie hat nichts mit der Performance von Costas Kekis und Quim Bigas Bassart zu tun. Und könnte dennoch treffend mit ihrem unverschnörkelten Sound ihre Bewegungen untermalen. Etwa so, wie sich die Klamotten der beiden Tänzer wunderbar in den städtischen Raum einpassen. Dunkle, eng anliegende Pullover, gräuliche Hosen und rosafarbene Turnschuhe – alles von H&M. Laut Programmtext sind die beiden Künstler an „toten öffentlichen Räumen“ interessiert, die sie durch ihre Bewegungsexperimente sichtbar machen wollen. So spielt auch der Titel ihrer Performance „Brunswick Centre 1970s“ auf einen riesigen terrassenförmig angelegten Gebäudekomplex in London an. Da sich aber in jeder Stadt ähnliche architektonische Ungetüme finden lassen, konnten die beiden Künstler ihr Konzept in Mannheim weiter verfolgen.

Wie ausgetickte Apparate
Zwei Lichter beleben den Ehrenhof vorm Mannheimer Schloss im Abenddunkel. Zwei Gestalten mit Taschenlampe bewegen die Lichter wie kreisende Signalpunkte auf leerer Fläche. Eine Station weiter synchronisieren die Tänzer im Neonlicht einer Tiefgarage ihren Gleichschritt, falten sich gemächlich ein und auf wie bewegliche Modelle, die sie dann doch aufbrechen: Durch schnelle Bewegungsausbrüche, die den Körpern im sterilen Raum eine absurde Note verleihen. Wie kleine ausgetickte Apparate veranschaulichen die Performer das Verhältnis vom Körper zum Raum. Später auf den monströsen Leerflächen im Stadthaus und am Ende ausgestreckt dem Denkmal von Dalberg zu Füßen. rah