Internationales Festival für Theater | Performance | Tanz | Kunst
12. – 29. September 2007 | Hafenstrasse 68 | Mannheim

Programm

Radio-Lounge
Hörstücke zusammengestellt von Robert Schoen

14. | 16. | 18. | 21. | 25. | 27.9. 1:00 – 8:00 Uhr
23. | 29.9. 2:00 – 8:00 Uhr
Ständiger Einlass
Speziell am 29.9. 2:00 Uhr
(Hörspiel) – Ein Aufnahmezustand
Autor und Regie: Mauricio Kagel / AR
Mit:
Peter Brötzmann (Rohrblattinstrumente), Christoph Caskel (Schlagzeug), Deborah (Kinderstimme), Alfred Feussner (Sprecher und Geräusche), William Pearson (Gesang), Heinz-Georg Thor (Kontrabass), Michael Vetter (Blockflöten)
Produktion: WDR 1970
Dauer: 35 Minuten
Preise /Auszeichnungen: Karl-Sczuka-Preis
Nebengeräusche liegen im Hauptinteresse in dieser Produktion. Das wissen allerdings die sieben Mitwirkenden nicht, die zu einer Aufnahme eingeladen sind. Die Geräte laufen bereits, wenn sie das Studio betreten und schneiden alles mit: das Geräusch ihrer Schritte, scheinbar nebensächliche Fragen und Antworten sowie das Knacken beim Einrichten des Mikrophons. Eine makroskopische Aufnahme aus dem Alltag eines Tonstudios.

(Hörspiel) – Ein Aufnahmezustand: Zweite Dosis
Autor und Regie: Mauricio Kagel / AR
Produktion: WDR 1967
Kagels kompositorische Tätigkeit bei der Produktion von „(Hörspiel)“ war von Beginn an auf kombinatorische Verfahren gerichtet. In „Zweite Dosis“ sind weitere Teilstücke des ungewöhnlich langen Materials montiert. An der klingenden Realisation dieser Komposition wirkten die selben sieben nichtsahnenden Interpreten mit, wie auch an der zuerst gesendeten „(Hörspiel)“ von 1970; dennoch ist die „Zweite Dosis“ weniger Fortsetzung als in sich geschlossenes Hörspiel mit eigenen Bedingungen.

(Hörspiel) – Ein Aufnahmezustand: Dritte Dosis
Autor und Regie: Mauricio Kagel
Produktion: WDR 1970
Die dritte Dosis vervielfacht die ursprüngliche Situation dieses Hörspiels: Sprecher und Instrumentalisten sind gebeten, neue Produktionen der Hörspielabteilung zu begutachten, die in Wahrheit unveröffentlichte Fragmente der ersten beiden Dosen sind.
Durch ein – im vorgeblich intimen Abhörraum – installiertes Mikrophon betreibt Mauricio Kagel seine akustische Spionage, die Professionelles in Unprofessionelles wandelt.
4:00 Uhr
Schliemanns Radio
Autor, Regie und Komposition: Heiner Goebbels / DE
Produktion: HR 1992
Dauer: 65 Minuten
Preise / Auszeichnungen: Prix Italia
Sein Vorgehen bei der Erstellung dieses Hörspiels vergleicht Heiner Goebbels mit Schliemanns Grabungstechnik: „Rücksichtslos graben, Fragmentarisches zusammensetzen, Scherben nummerieren, dabei auch Wichtiges verschütten“. In den musikalischen Gesteinsschichten liegen unter anderem Pop, Zeitgenössisches, Folklore und Berlioz verschüttet und auch Teilchen aus Homers’ „Ilias“ fördert der grabenden Komponist zutage.
5:00 Uhr
Übergang über die Beresina – Eine Audio-Archäologie
Autor und Regie: Ulrich Gerhardt / DE
Produktion: BR 1993
Dauer: 90 Minuten
Preise/ Auszeichnungen: Karl-Sczuka-Preis
Den wichtigsten Mitarbeiter dieser Produktion kennt der Autor selbst nicht. Zusammen mit Günter Heß restaurierte Ulrich Gerhardt die Schallplattenaufnahmen des jungen Soldaten Jürgen Tradt aus Berlin, der mit einem Schallplatten-Schneidegerät der Marke Contiphon alle erreichbaren akustischen Äußerungen mitgeschnitten hat – vom Telefongespräch über die Propagandarede bis zum Feindsender. Die archäologische Enthüllung dieser "readytapes" lässt ein doppelt-subjektives, aufregendes Porträt der Kriegsjahre 1941/42 entstehen.
Hör! Spiel! Das Hörspiel als defizitäre Kunstform, die es im Spiel der Imagination auszumalen gilt. Raum und Zeit stehen dabei im Mittelpunkt: Extreme Räume, wie sie der Komponist Andreas Bick auf seiner Suche nach dem Klang des Eises, der Haut oder des Windes erforscht; als Stadträume in den Soundscapes von Pierre Henry oder Barry Bermange. Zeitgeschichte(n) in »Moments of History« oder in »Unter dem Gras darüber« von Jürgen Geers und Inge Kurtz. Spielerisch-experimentelle Annäherungen an das Thema Zeit sind die Stücke von Heiner Goebbels und Tom Johnson. Über 30 Hörstücke aus den verschiedensten ästhetischen Traditionen sind zu hören, manche ganz kurz, andere in überwältigender Länge (10 Stunden). Wir schaffen den Raum zum Hören. Nehmen Sie sich die Zeit zum Spielen. Zusammengestellt wurde dieses Programm von Robert Schoen.
Robert Schoen, geb. 1966 und wohnhaft in Berlin, kfm. Ausbildung, Studium Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, Ausbildung zum Hörspielregisseur beim SWR, Baden-Baden. Zahlreiche Produktionen als freier Hörspielregisseur; Hörbücher, Theaterstücke.